Gentherapie und andere zukünftige Therapieoptionen

Gentherapie in der Hämophilie

Gentherapie

Auch in der Hämophilie wird die so genannte Gentherapie eine Rolle spielen. Sie könnte / sollte eine langfristige körpereigene Produktion des fehlenden Gerinnungsfaktors VIII ermöglichen und damit eine sehr interessante Alternative zu den derzeitigen Faktorersatztherapien darstellen. Nicht zuletzt könnte auch dadurch – wie bei den Antikörpern – die Entwicklung der neutralisierenden Hemmkörper als schwere Nebenwirkung der Faktorersatztherapie überwunden werden. Ziel wäre hier, die lebenslange Hämophilie-Therapie durch eine einzige Behandlung zu ersetzen. (C) Foto: Spark Therapeutics

Während die Gentherapie in anderen Bereichen (z.B. verschiedene Blutkrebsarten, Beta-Thalassämie, Hautkrebs, Netzhauterkrankung, Spinale Muskelatrophie u.a.) bereits eingesetzt wird, gibt es bisher noch keine zugelassene Gentherapie in der Hämophilie.

Die Hoffnungen sind zwar groß, aber es muss auch gesehen werden, dass es im Jahr 2020 zwei/drei relevante Rückschläge gab. Der Hoffnungsträger Nummer 1 – Valoctocogen(e) roxaparvovec resp. Roctavian von BioMarin – machte immer wieder Schlagzeilen: Im November 2020 verkündete BioMarin die Rücknahme des EU-Zulassungsantrages für Roctavian. Der Schritt folgte auf eine vorherige Ablehnung von BioMarins Antrag für die Gentherapie in den USA.

Chemie / Medizin Nobelpreis

Im Oktober 2020 erhielten Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna den diesjährigen Nobelpreis Chemie für Ihre Entdeckung der Gen-Schere (CRISPR/Cas). Sehen Sie hier einen Beitrag des MDR aus 2019, in dem es auch um Philip mit Hämophilie A geht:

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Meldungen zur Gentherapie

An der Gentherapie (Hämophilie) beteiligte Firmen

  • Novo Nordisk ist im Oktober 2019 eine Kooperation mit bluebird bio eingegangen, um in einem gemeinsamen Forschungsprogramm, einen geeigneten Kandidaten zu identifizieren. (5)
  • FLT180a des britischen Unternehmens Freeline Therapeutics ist eine AAV-Gentherapie für Menschen mit Hämophilie B. Eine laufende Phase-1/2-Studie rekrutiert derzeit Patienten in Großbritannien mit dem Ziel, die Sicherheit und Wirksamkeit von FLT180a zu untersuchen.

Ausblick in die Zukunft

Die Interessengemeinschaft Hämophiler e.V. (IGH) hat – in Zusammenarbeit mit Dr. med. C. Königs von der Uniklinik Frankfurt – eine Video-Reihe erstellt, die in kurzen Filmen von jeweils zwei bis drei Minuten die neuesten wissenschaftlichen Trends in der Hämophilie-Behandlung darstellt und erläutert. Im Folgenden noch ein Ausblick in die Zukunft durch Herrn Dr. Königs:

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Weitere Antikörper

Neben der Entwicklung in der Gentherapie gibt es Forschungsbemühungen, weitere Antikörper zu entwickeln. Z.B. hat die Fa. Novo Nordisk Concizumab in einer noch frühen Entwicklungsphase (s.a. Meldung vom 26. März 2020). Marstacimab ist ein von Pfizer entwickelter Antikörper zur Behandlung von Hämophilie-A- und -B-Patienten. Auch dieser befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. (25)

Um das Intervall des Spritzens zu verlängern, arbeiten fast alle Unternehmen an weiteren Faktor-VIII-Präparaten, die eine längere Halbwertzeit (HWZ) haben. Vereinfacht gesprochen bedeutet eine längere HWZ, dass ein Präparat länger wirkt und somit nicht so oft gespritzt werden muss.


Small Interfering RNA (siRNA) – Silencing RNA – RNAi-Therapeutika, hier Fitusiran

Einen vollkommen anderen Therapieansatz stellt z.B. Fitusiran (der Firmen Sanofi Genzyme / Alnylam) dar. Hier wird das Prinzip der so genannten RNA-Interferenz (RNAi) genutzt. RNAi-Therapeutika beruhen auf der Grundlage einer mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Wissenschaft. Fitusiran befindet sich noch in der klinischen Entwicklungsphase Phase III. Im November 2020 wurde bekannt gegeben, dass aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen ein weltweiter Behandlungsstopp für Fitusiran erlassen wurde. (21)

Auch gibt es Bemühungen, weitere Wirkstoffe zu entwickeln, die die natürlichen, gerinnungshemmenden Mechanismen blocken, sodass die Blutgerinnung selbst gefördert wird. Angriffspunkte dafür sind Anti-Gerinnungsfaktoren wie der sogenannte Tissue Factor Pathway Inhibitor (TFPI).

Quellen


Die Domain gentherapie.de zeigt auf diese Seite (obwohl die Gentherapie natürlich sehr viel breiter – als nur in der Hämophilie – angewendet wird. Deshalb wird es demnächst eine grundlegende Aktualisierung / Neustrukturierung geben.)