Gentherapie und andere zukünftige Therapieoptionen

Gentherapie in der Hämophilie

Gentherapie

Auch in der Hämophilie spielt die so genannte Gentherapie eine Rolle. Sie kann eine langfristige körpereigene Produktion des fehlenden Gerinnungsfaktors VIII ermöglichen und damit eine sehr interessante Alternative zu den derzeitigen Faktorersatztherapien darstellen. Nicht zuletzt kann auch dadurch – wie bei den Antikörpern – die Entwicklung der neutralisierenden Hemmkörper als schwere Nebenwirkung der Faktorersatztherapie überwunden werden. Ziel ist, die lebenslange Hämophilie-Therapie durch eine einzige Behandlung zu ersetzen. (C) Foto: Spark Therapeutics

Die Gentherapie wird bereits auch in anderen Bereichen (z.B. verschiedene Blutkrebsarten, Beta-Thalassämie, Hautkrebs, Netzhauterkrankung, Spinale Muskelatrophie u.a.) eingesetzt. Seit August 2022 gibt es in der EU eine erste zugelassene Gentherapie in der Hämophilie A: Valoctocogen(e) roxaparvovec resp. Roctavian von BioMarin. Bisher aber keine Zulassung in den USA.

Im November 2022 erfolgte – für die USA – die FDA-Zulassung der ersten Gentherapie für Erwachsene mit Hämophilie B. Hemgenix® der Firmen CSL / uniQure ist derzeit aber nicht in der EU zugelassen!

Meldungen zur Gentherapie

Chemie / Medizin Nobelpreis

Im Oktober 2020 erhielten Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna den diesjährigen Nobelpreis Chemie für Ihre Entdeckung der Gen-Schere (CRISPR/Cas). Sehen Sie hier einen Beitrag des MDR aus 2019, in dem es auch um Philip mit Hämophilie A geht:

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An der Gentherapie (Hämophilie) beteiligte Firmen

  • Novo Nordisk ist im Oktober 2019 eine Kooperation mit bluebird bio eingegangen, um in einem gemeinsamen Forschungsprogramm, einen geeigneten Kandidaten zu identifizieren. (5)
  • FLT180a des britischen Unternehmens Freeline Therapeutics ist eine AAV-Gentherapie für Menschen mit Hämophilie B. Eine laufende Phase-1/2-Studie rekrutiert derzeit Patienten in Großbritannien mit dem Ziel, die Sicherheit und Wirksamkeit von FLT180a zu untersuchen.

Ausblick in die Zukunft

Die Interessengemeinschaft Hämophiler e.V. (IGH) hat – in Zusammenarbeit mit Dr. med. C. Königs von der Uniklinik Frankfurt – eine Video-Reihe erstellt, die in kurzen Filmen von jeweils zwei bis drei Minuten die neuesten wissenschaftlichen Trends in der Hämophilie-Behandlung darstellt und erläutert. Im Folgenden noch ein Ausblick in die Zukunft durch Herrn Dr. Königs:

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Die IGH macht darauf aufmerksam: Die Videos dienen nur und ausschließlich der Information und stellen keineswegs eine ärztliche Beratung oder Behandlungsempfehlung dar. Sie ersetzen kein ärztliches Beratungsgespräch! Dieses gilt selbstverständlich auch für diese Website.

Weitere Antikörper

Neben der Entwicklung in der Gentherapie gibt es Forschungsbemühungen, weitere Antikörper zu entwickeln. Z.B. hat die Fa. Novo Nordisk Concizumab in einer noch frühen Entwicklungsphase (s.a. Meldung vom 26. März 2020). Marstacimab ist ein von Pfizer entwickelter Antikörper zur Behandlung von Hämophilie-A- und -B-Patienten. Auch dieser befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. (25)

Um das Intervall des Spritzens zu verlängern, arbeiten fast alle Unternehmen an weiteren Faktor-VIII-Präparaten, die eine längere Halbwertzeit (HWZ) haben. Vereinfacht gesprochen bedeutet eine längere HWZ, dass ein Präparat länger wirkt und somit nicht so oft gespritzt werden muss.

Efanesoctocog alfa ist ein in klinischer Forschung befindliches rekombinantes Faktor-VIII-Therapeutikum, das Menschen mit Hämophilie A durch eine einmal wöchentliche prophylaktische Dosierung einen längeren Schutz vor Blutungen bieten soll. Es baut auf der Fc-Fusionstechnologie auf, um die Verweildauer im Blutkreislauf zu verlängern. Efanesoctocog alfa wird in einer Kooperationn zwischen Sanofi und Sobi entwickelt und befindet sich derzeit in der klinischen Erprobung. Seine Sicherheit und Wirksamkeit wurden noch nicht von einer Zulassungsbehörde bewertet. Es ist noch in keinem Land zugelassen. Die amerikanische Zulassungesbehörde FDA püft derzeit den Antrag vorrangig. Es wird erwartet, dass die US-Behörde bis zum 28. Februar 2023 über die Zulassung des Faktor-VIII-Prüfpräparats entscheidet. (s.a. PM von Sanofi vom 9. März 2022 resp. die News vom 1. Juni 2022)


Small Interfering RNA (siRNA) – Silencing RNA – RNAi-Therapeutika, hier Fitusiran

Einen vollkommen anderen Therapieansatz stellt z.B. Fitusiran (der Firmen Sanofi Genzyme / Alnylam) dar. Hier wird das Prinzip der so genannten RNA-Interferenz (RNAi) genutzt. RNAi-Therapeutika beruhen auf der Grundlage einer mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Wissenschaft. Fitusiran befindet sich noch in der klinischen Entwicklungsphase Phase III. Im November 2020 wurde bekannt gegeben, dass aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen ein weltweiter Behandlungsstopp für Fitusiran erlassen wurde. (21)

Auch gibt es Bemühungen, weitere Wirkstoffe zu entwickeln, die die natürlichen, gerinnungshemmenden Mechanismen blocken, sodass die Blutgerinnung selbst gefördert wird. Angriffspunkte dafür sind Anti-Gerinnungsfaktoren wie der sogenannte Tissue Factor Pathway Inhibitor (TFPI).

Quellen


Die Domain gentherapie.de zeigt auf diese Seite (obwohl die Gentherapie natürlich sehr viel breiter – als nur in der Hämophilie – angewendet wird. Deshalb wird es demnächst eine grundlegende Aktualisierung / Neustrukturierung geben.)