Antikörper

Die neueste Entwicklung

Sogenannte „monoklonale Antikörper“ spielen in der modernen Medizin eine bedeutende Rolle. Sie finden in den unterschiedlichsten Therapiebereichen Anwendung und stellen eine große Bereicherung in der Therapie von eher unheilbaren Krankheiten dar.

Hemlibra®

Hemlibra® (Wirksubstanz: Emicizumab) der Firmen Roche / Chugai ist ein aktueller Vertreter dieser Antikörper und wird zur Behandlung der Hämophilie A (mit und ohne Hemmkörper) eingesetzt. Das Medikament wurde sowohl in den USA als auch in Europa, der Schweiz und Japan zugelassen.

Das Besondere an Hemlibra® ist, dass es sowohl an den Gerinnungsfaktor IXa als auch an den Faktor X bindet und somit den fehlenden Faktor VIII überbrückt. Insofern unterscheidet sich Hemlibra® in seiner Wirkungsweise klar von den gentechnisch hergestellten und / oder den aus Blutplasma gewonnenen FVIII-Präparaten.

Emicizumab ersetzt nicht einfach den Faktor VIII, sondern ahmt den fehlenden Gerinnungsfaktor selbst in seiner Wirkweise nach. Er übernimmt somit die Funktion von Faktor VIII und verursacht dadurch auch nicht die Entwicklung der neutralisierenden Hemmkörper, die als schwere Nebenwirkung der Faktorersatztherapie (d.h. Hemmkörper-Hämophilie; s. unten) auftreten kann.

Lange Halbwertzeit

Hemlibra® kann bei allen Altersgruppen angewendet werden. Hemlibra wird subkutan verabreicht, was eine große Erleichterung im Alltag bedeutet.  Es kann – aufgrund seiner langen Halbwertzeit von fast 4 Wochen – in der Erhaltungsdosis wöchentlich, alle 2 oder alle 4 Wochen angewendet werden und bietet aufgrund seines konstanten Plasmaspiegels einen hohen Schutz vor Blutungen.

Videos der Interessengemeinschaft Hämophiler e.V.

Die Interessengemeinschaft Hämophiler e.V. (IGH) hat – in Zusammenarbeit mit Dr. med. C. Königs von der Uniklinik Frankfurt – eine Video-Reihe erstellt, die in kurzen Filmen von jeweils zwei bis drei Minuten die neuesten wissenschaftlichen Trends in der Hämophiliebehandlung darstellt und erläutert. Im Folgenden die Darstellung des Antikörper Emicizumab durch Herrn Dr. Königs, wobei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden muss, dass Hemlibra® sowohl bei Patienten mit als auch bei Patienten ohne Hemmkörper eingesetzt werden kann:

Die IGH macht darauf aufmerksam: Die Videos dienen nur und ausschließlich der Information und stellen keineswegs eine ärztliche Beratung oder Behandlungsempfehlung dar. Sie ersetzen kein ärztliches Beratungsgespräch! Dieses gilt selbstverständlich auch für diese Website.

Keine Hemmkörper Bildung

Der Antikörper Emicizumab verursacht nicht die Entwicklung der neutralisierenden Hemmkörper.

Die größte Komplikation und unerwünschte Nebenwirkung bei der Therapie von Hämophilie A mit (gentechnisch) hergestellten oder auch aus Plasma gewonnenen Faktor-VIII-Präparaten liegt in der Bildung von Hemmkörpern (Inhibitoren) gegen den eingesetzten Faktor VIII. 

Die Hemmkörper binden den intravenös gespritzten FVIII und verhindern dessen Wirkung, so dass die notwendige Erhöhung des Faktorspiegels nicht erreicht wird, und es in der Folge wieder zu Blutungen kommt bzw. Blutungen nicht gestillt werden können.

Diese Komplikation wird auch als Hemmkörper-Hämophilie bezeichnet. Weltweite Studien (z.B. die SIPPET-Studie) zeigen, dass etwa 25-30 % der behandelten Patienten Hemmkörper entwickeln.