Prophylaxe mit Hemlibra®

Bessere Gelenkgesundheit und weniger Zusatzbehandlung bei Patienten mit schwerer Hämophilie A

ASH 2019: Roche präsentiert Update der HAVEN 3-Studie

  • Hemlibra vs. FVIII-Prophylaxe: zusätzliche Behandlung mit FVIII bei Durchbruchblutungen geringer
  • Umstellung auf Hemlibra-Prophylaxe: positive Effekte auf die Gelenkgesundheit
  • Bei chirurgischen Eingriffen: weniger additive Gabe an FVIII-Gerinnungsfaktoren notwendig

Auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Hematology (ASH) in Orlando haben aktualisierte Daten aus dem Phase III Studienprogramm HAVEN 3 die wirksame
Blutungskontrolle sowie das gute Sicherheitsprofil von Hemlibra (Emicizumab)1 bestätigt. Unter der Routineprophylaxe mit dem bispezifischen Antikörper zeigten sich bei Patienten mit schwerer Hämophilie A positive Effekte auf die Gelenkgesundheit.2 Weitere Analysen zeigten, dass der zusätzliche Einsatz an Faktor VIII (FVIII) Gerinnungsfaktoren bei der Behandlung von Durchbruchblutungen bei Patienten mit Hemlibra-Prophylaxe signifikant geringer war als unter vorheriger FVIII-Prophylaxe.3

Positive Effekte auf die Gelenkgesundheit

Bereits in der Zulassungsstudie HAVEN 3 zeigte sich bei der Prophylaxe mit Hemlibra bei Patienten mit schwerer Hämophilie A ohne Inhibitoren der starke Blutungsschutz des Antikörpers.4 So konnte gezeigt werden, dass sich unter Hemlibra-Prophylaxe > 99% der Zielgelenke aufgelöst hatten.5 Wiederkehrende Gelenkblutungen können bei Patienten mit Hämophilie A zu einer chronisch degenerativen Arthropathie führen und wird mit einer verminderten Knochenmineraldichte in Verbindung gebracht.6 In der aktualisierten Analyse wurden Knochen- und Gelenkbiomarker gemessen, um die potenzielle Auswirkung der Prophylaxe mit Hemlibra auf die Knochen- und Gelenkgesundheit über die Blutungsprävention hinaus zu untersuchen. Diese positiven Effekte auf die Gelenkgesundheit konnten anhand von Verbesserungen des Hemophilia Joint Health Scores (HJHS) bestätigt werden, einem Skalenwert, der begleitend zu den Blutungsraten erhoben wurde.2 Wie die Analysen zeigten, war bei Patienten mit Zielgelenken bereits 49 Wochen nach Beginn der Emicizumab-Prophylaxe eine klinisch relevante Verbesserungen von ≥ 2 Punkten im HJHS nachweisbar.2

Einsatz von zusätzlichem FVIII zur Behandlung von Durchbruchblutungen deutlich reduziert

Klinische Vorteile von Hemlibra im Vergleich zur FVIII-Prophylaxe wurden durch aktuelle Auswertungen der HAVEN 3-Studie auch in Bezug auf mit FVIII behandelte Durchbruchblutungen bestätigt: Als Resultat der verminderten Blutungsraten waren sowohl die Anzahl der auf ein Jahr bezogenen median verabreichten FVIII-Infusionen (0,6 vs. 3,6/Patient) als auch die kumulierte mediane FVIII-Dosis (19,1 IE/kg vs. 75,5 IE/kg) unter der Hemlibra-Prophylaxe im Vergleich zur vorangegangenen FVIII-Prophylaxe erheblich reduziert.3 Die Menge des pro Blutungsepisode verwendeten FVIII war dabei unter beiden Prophylaxeformen vergleichbar, berichten die Autoren.

„Diese aktuellen Daten zu den Durchbruchsblutungen und der Gelenkgesundheit untermauern das hohe Potential von Hemlibra bei der Routineprophylaxe von Patienten mit schwerer Hämophilie A”, kommentierte Prof. Dr. Johannes Oldenburg, Leiter des Instituts für Experimentelle Hämatologie und Transfusionsmedizin sowie des Hämophilie-Zentrums am Universitätsklinikum Bonn.

Chirurgische Eingriffe unproblematisch

Eine beim ASH vorgestellte multizentrische Beobachtungsstudie, bestätigte auch bei kleineren chirurgischen Eingriffen, dass Patienten mit Hämophilie A mit oder ohne FVIII-Inhibitoren unter Routine-Prophylaxe mit Hemlibra einen selteneren zusätzlichen Einsatz von einem Gerinnungsfaktoren hatten.7 Im Anschluss an die Umstellung auf die Antikörper-Prophylaxe wurden 19 Eingriffe bei einer Gruppe von 19 Patienten dokumentiert, von denen 6 unter Hämophilie A mit Inhibitoren gegen FVIII litten. Bei 14 Probanden ging es um die Entfernung von umstellungsbedingt nicht mehr benötigten venösen Zugängen. Das Hämostase-Management innerhalb dieser Eingriffe erwies sich als unkompliziert. Bei 5 Patienten konnte die Entfernung des Ports ohne zusätzliche Gabe eines Faktorpräparats erfolgen. Bei 7 Patienten wurden vor dem Eingriff additiv rFVIIa oder FVIII gegeben; bei 3 Patienten wurde dies aufgrund von z. B. einer Hämatombildung im Anschluss an die Intervention gemacht. Die alleinige Prophylaxe mit Hemlibra bietet Patienten eine gute hämostatische Abdeckung und bestätigt damit die bereits auf dem ISTH 2019 vorgestellten Daten.8

Herausforderung intrakranielle Blutungen

Ein weiterer beim ASH diskutierter Aspekt betrifft Möglichkeiten zur Vermeidung von intrakraniellen Blutungen (ICH). Diese Komplikation der Hämophilie A ist mit einer Inzidenzrate zwischen 2 und 4% nicht häufig, wegen der meist schweren Verläufe jedoch klinisch gefürchtet. Die Folgen, auch einzelner ICH-Episoden, reichen von signifikanter Morbidität bis zu Mortalität. Alle Altersgruppen, auch Kleinkinder, sind potentiell betroffen. Hier war anhand von Patientendaten (u. a. PharMetrics Plus
Database) gezeigt worden, dass bei 2 von 5 Patienten mit Hämophilie A und ICH vor dem Ereignis keine Hämophilie A-Behandlung dokumentiert war.9 Nach Ansicht der Autoren betont dies die Notwendigkeit das Management der Hämophilie A-Diagnose und -Behandlung auch mit Blick auf diese potenziell lebensbedrohliche Komplikation zu optimieren. Im Weiteren wäre u. a. zu prüfen, ob eine
frühzeitig einsetzende Blutungsprophylaxe die Inzidenz von ICH im Langzeitverlauf senken kann. Eine vergleichsweise einfache und gering belastende subkutan applizierte Routineprophylaxe mit Emicizumab könnte die Entstehung von ICH positiv beeinflussen.

Referenzen

  1. Aktuelle Fachinformation Hemlibra®, Stand April 2019
  2. Kiialainen A., Bone and Joint Health Markers in Persons with Hemophilia A (PwHA) Treated with Emicizumab in HAVEN 3, ASH 2019, Abstract #626
  3. Callaghan M., Factor VIII Use in the Treatment of Breakthrough Bleeds in Hemophilia A Patients without Inhibitors on
    Emicizumab Prophylaxis: The Phase 3 HAVEN 3 Study Experience. ASH 2019, Abstract #2395
  4. Mahlangu J et al. Emicizumab Prophylaxis in Patients Who Have Hemophilia A without Inhibitors. N Engl J Med 2018; 379: 811–82
  5. Callaghan M et al., International Society on Thrombosis and Hemostasis Congress (ISTH) 2019, oral presentation; Abstract #358, www.professionalabstracts.com (aufgerufen am 02.07.2019)
  6. Kempton C. et al. Bone Density in Haemophilia: A Single Institutional Cross-sectional Study, Haemophilia. 2014 Jan; 20(1): 10.1111/hae.12240.
  7. McCary I, Guelcher C, Kuhn J, et al. Peri-Procedural Management and Outcomes of Patients with Hemophilia on Emicizumab Prophylaxis. ASH 2019, Session: 322: Poster #2396
  8. Santagostino E et al., International Society on Thrombosis and Hemostasis Congress (ISTH) 2019, oral presentation; Abstract #357, www.professionalabstracts.com (aufgerufen am 02.07.2019)
  9. Mahajerin A et al. Estimating the Burden of Intracranial Hemorrhage in Persons with Hemophilia A using Administrative Claims Data. ASH 2019, Abstract #2398

Über Hemlibra

Hemlibra (Emicizumab) ist ein bispezifischer monoklonaler Antikörper, der speziell entwickelt wurde, um die Gerinnungsfaktoren IXa und X zu binden und dadurch die Aktivierung von Faktor X zu ermöglichen. Dieser Schritt erfolgt bei Menschen mit Hämophilie A unzureichend, ist aber von zentraler Bedeutung, damit die Blutgerinnung normal ablaufen kann. Das HAVEN-Studienprogramm ist eines der größten
klinischen Zulassungsprogramme für die Hämophilie A, das die Wirksamkeit und Sicherheit von Hemlibra bei Menschen mit und ohne Faktor VIII-Inhibitoren sowie sein Potenzial zur Bewältigung aktueller klinischer Herausforderungen untersucht. Hemlibra ist in Europa zugelassen für Patienten jeden Alters mit schwerer Hämophilie A mit oder ohne Inhibitoren gegen Faktor VIII zur subkutanen Verabreichung in wöchentlichen, zweiwöchentlichen oder vierwöchentlichen Therapieintervallen.
Hemlibra wird auf Basis von Grundlagenforschung von Chugai in einer Kooperation zwischen Roche und Chugai erforscht. An den klinischen Studien sind auch Hämophilie-Zentren in Deutschland beteiligt.

Wichtiger Hinweis

Das Arzneimittel Hemlibra unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von
Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Auch Patienten können dabei helfen, indem sie jede auftretende Nebenwirkung melden.

Quelle: Roche

Autor / online gestellt: Joachim Freischem