Gentherapie

Der Einsatz am Erbgutmolekül DNA

Durch die Vergabe des Nobelpreis für 2020 in Chemie an die beiden Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna (UCLA, Berkeley, CA, USA) für ihre Entdeckung der Gen-Schere (CRISPR/Cas) erfährt die Gentherapie eine erneute Aktualität.

Die Französin Professor Emmanuelle Charpentier ist Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin. Als Organisation der Grundlagenforschung trägt die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) eine besondere Verantwortung zur kritischen Beurteilung neuer wissenschaftlicher Entwicklungen und ist bestrebt, sich Themen an den Grenzen des aktuellen Wissens zu widmen. Zu diesem Thema veröffentlichte die MPG ein Diskussionspapier zur wissenschaftlichen Bedeutung der Genom-Editierung und zu den potenziell damit verbundenen ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen und eine Stellungnahme zu den wissenschaftlichen und translationalen Auswirkungen der Genom-Editierung und daraus resultierenden ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen.

Bei der Genomforschung handelt es sich nicht nur um reine Grundlangen-Forschung, sondern auch um ihren Einsatz als medizinische Therapie (-> Gentherapie), in der Pflanzenzucht sowie für weitere Anwendungen.

Gentherapie / CAR-T-Zell-Therapie

Als Gentherapie bezeichnet man das Einfügen von Nukleinsäuren wie DNA oder RNA in die Körperzellen eines Individuums, um genetisch bedingte Krankheiten (Erbkrankheiten), Tumore oder andere Krankheiten zu behandeln. Dieses Verfahren wird auch als somatische Gentherapie bezeichnet, um sie von der Keimbahntherapie zu unterscheiden, bei der das Einfügen der Nukleinsäure zu einer Vererbung an die Nachkommen führt. Klassischerweise wird bei der Gentherapie ein intaktes Gen in das Genom der Zielzelle eingefügt, um ein defektes Gen zu ersetzen, das ursächlich für die Entstehung der Krankheit ist.

Zur Herstellung eines CAR-T-Zell-Therapeutikums wird dem Patienten Blut entnommen, aus dem die T-Zellen angereichert werden. Diese werden dann gentechnisch so verändert, dass sie einen chimären Antigenrezeptor (CAR-T) enthalten, mit dessen Hilfe die T-Zellen die Lymphomzellen erkennen und eliminieren können. Diese modifizierten Immunzellen werden dann dem Patienten wieder infundiert.

Bisher sind / waren nur acht Therapien durch die amerikanische FDA und/oder die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zum Einsatz beim Menschen zugelassen. In der Hämophilie wird noch geforscht, ohne dass bereits ein Medikament zugelassen wäre. Innerhalb Europas gehören Gentherapeutika / CAR-T-Zell-Therapeutika zur Gruppe der Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMPs). Die folgende Liste orientiert sich an dem Zu­las­sungs-/ Ge­neh­mi­gungs­da­tum:

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat – auf Empfehlung des Committee for Advanced Therapies (CAT) – in seiner Sitzung vom Oktober 2020 eine Zulassungsempfehlung für zwei neue Gentherapieen gegeben:

  • Libmeldy® (autologe CD34+-Zell-angereicherte Population, Hersteller: Orchard Therapeutics), Anwendungsgebiet: Metachromatische Leukodystrophie (MLD), die durch biallelische Mutationen im Arysulfatase A (ARSA)-Gen gekennzeichnet ist, die zu einer Verminderung der enzymatischen Aktivität von ARSA führen.
  • Tecartus® (autologe anti-CD19-transduzierte CD3+-Zellen, Hersteller: Kite Pharma / Gilead Sciences) , Anwendungsgebiet: Mantelzell-Lymphom (MCL). Auch bei Tecartus® handelt es sich um ein CAR-T-Zell-Therapeutikum (s.o.).