Begriffe, die man vielleicht nicht kennt

Ein Glossar zur Hämophilie

  • Albumine – in der Leber synthetisierte, gut wasserlösliche Proteine (Eiweiße), die ca. 52-62% des Gesamteiweiß des Blutplasma ausmachen.
  • Antigene – Antigene sind Strukturen, an die sich Antikörper spezifisch binden können, was bewirken kann, dass Antikörper gegen das Antigen produziert werden. Antigene können somit eine Immunantwort auslösen.
  • Antikörper – Antikörper (Immunglobuline) sind Proteine (Eiweiße) aus der Klasse der Globuline, die als Reaktionsprodukt von Körperzellen auf bestimmte Stoffe, so genannte Antigene gebildet werden. Sie stehen im Dienst des Immunsystems. Sie können beispielsweise als (passiver) Imfstoff verwendet werden. Außerdem werden spezifische monoklonale oder auch bespezifsche Antikörper in der Medizin therapeutisch eingesetzt. Hauptanwendungsgebiet ist die Hämatologie und Onkologie („Krebs“), daneben werden sie auch in der Behandlung der Hämophilie eingesetzt. Antikörper sollten nicht mit Hemmkörpern in der Hämophilie verwechselt werden.
  • Antikörper ACE910 – der Antikörper ACE 910 (Emicizumab) ist ein bi-spezifischer Antikörper, der die Wirkung des Faktor VIII als Ko-Faktor nachahmt.
  • Antithrombin (AT) – Antithrombin, kurz AT, ist ein Protein, das hemmend auf die Blutgerinnung wirkt.
  • Bi-spezifisch – sind z.B. künstlich hergestellte Antikörper, die gezielt zwei unterschiedliche Antigene erkennen und binden.
  • Chromosomen – Träger der genetischen Erbinformationen
  • Dimer – ein Dimer ist ein Molekül oder ein Molekülverbund, der aus zwei oft identischen Untereinheiten, den Monomeren, besteht.
  • DNA/DNS– Desoxiribonucleinacid / Desoxiribonucleinsäure – Träger der Erbinformation (Gene).
  • dsRNA – doppelsträngige RNA.
  • Episomal – Episome sind bei Bakterien Plasmide, die sich in die chromosomale DNA des Wirtsorganismus integrieren können.
  • Fc Fusionsproteine – ein Fusionsprotein (auch Hybridprotein) entsteht durch die gemeinsame Expression zweier Gene oder Genteile, die hintereinander im Genom liegen. Durch Entfernung des Stopcodons hinter dem ersten Gen oder durch eine Verschmelzung durch eine Chromosomenveränderung (z. B. eine Translokation) werden beide Gene so abgelesen, als ob es sich um ein einziges Gen handeln würde
  • Fc-Region – im Gegensatz zu dem antigenbindenden FaB Fragmenten steht das Fc Fragment für den konservierten und inerten Teil des Antikörpers.
  • FcRn – neonataler Rezeptor, der den Gerinnungsfaktor vor Abbau schützt.
  • Gentherapie – die Gentherapie könnte / sollte eine langfristige körpereigene Produktion des fehlenden Gerinnungsfaktors VIII ermöglichen und damit eine sehr interessante Alternative zu den derzeitigen Faktorersatztherapien darstellen. Noch gibt es – weder in der EU noch in den USA – eine zugelassene Gentherapie! Aber eine befindet sich im Zulassungsverfahren.
  • Gerinnungsfaktoren – sind Enzyme oder Substrate (Proteine o. Lipide), die in Gegenwart von Ca-Ionen gerinnungsaktive Komplexe bilden.
  • Gerinnungsstörungen – Unter Gerinnungsstörungen versteht man eine Gruppe von Erkrankungen, bei denen das Blut nicht richtig gerinnen kann.
  • Glykane – Auch Polysaccharide genannt sind Kohlenhydrate, in denen eine große Anzahl (mindestens zehn) Monosaccharide (Einfachzucker) über eine glycosidische Bindung verbunden sind.
  • Hämophilie – ist eine angeborene lebenslang erhöhte Blutungsneigung, die durch eine Verminderung der Aktivität des Gerinnungsfaktor VIII (Hämophilie A) oder IX (Hämophilie B) hervorgerufen wird.
  • Halbwertszeit – Die Halbwertszeit (HWZ) ist die Zeitspanne, nach der – vereinfacht gesagt – die Hälfte des anfänglichen Werts (oder die Hälfte des Höchstwertes) erreicht wird. Von der HWZ ist das Intervall abhängig, wann gegebenenfalls der Faktor VIII (FVIII) oder der Antikörper gegeben werden muss. Es gibt verschiedene Verfahren zur HWZ Verlängerung (Fusionsprotein oder PEGylierung). Derzeit verfügt der Antikörper Emicizumab über die längste HWZ.
  • Hemmkörper – Hemmkörper stellen die Hauptkomplikation bei der Hämophilie-A-Therapie dar. Hier werden neutralisierende Antikörper gegen den Faktor VIII (FVIII) gebildet. Man spricht auch von inhibitorischen Antikörpern oder eben Hemmkörpern. Die Hemmkörper verringern die Wirkung des gegebenen FVIII sehr stark, sodass die nötige Erhöhung des Faktorspiegels nicht erreicht wird, und es in der Folge wieder zu Blutungen kommt. Diese Komplikation wird auch als Hemmkörperhämophilie oder Immunhemmkörperhämophilie bezeichnet. Weltweite Studien zeigen dass etwa 30 % der behandelten Patienten oder Blutern inhibitorische Antikörper entwickeln.
  • Hepatitis C – eine von verschiedenen Formen (A,B,D,E) einer Leberentzündung, die durch Viren hervorgerufen werden.
  • IgG1 – Unterklasse der IgG .
  • Immunglobuline – Immunglobuline sind körpereigene Eiweiße, die der Abwehr von Infektionen dienen.
  • Immunglobulin G – Antiköper werden in unterschiedliche Klassen eingeteilt, eine davon ist das Immunglobulin G.
  • intravenös – intravenös (Abk. i. v.) bedeutet „in einer Vene“ oder „in eine Vene hinein“. Man versteht darunter z. B. die direkte Verabreichung eines Medikaments in ein venöses Blutgefäß.
  • Kovalente Bindung– eine feste Bindung zwischen zwei Molekülen.
  • Kryopräzipitat – Durch Einfrieren und Auftauen von Blutplasma bildet sich ein Niederschlag (Kryopräzipitat), der durch Zentrifugation vom übrigen Plasma abge-trennt werden kann. Im Kryopräzipitat sammeln sich die für die Blutgerinnung wichtigen Proteine, Faktor VIII, von-Willebrand-Faktor und Fibrinogen an.
  • Mimetisch – legt das Prinzip der Nachahmung zugrunde.
  • mRNA – Messenger RNA.
  • N-Acetylgalactosamin – es dient als Baustein zum Aufbau von Glykolipiden (z. B. Ganglioside) und von Glykoproteinen der Zellmembran.
  • N-Glykanen – über glykosidische Bindungen verknüpfter Aminozucker.
  • Pasteurisierung – schonendes Erhitzen von Plasmaprodukten (z. B. 10 Stunden bei 60°C) zur Inaktivierung von eventuell vorhandenen Viren.
  • PEG – Polyethylenglykol.
  • PEGylierung – bei der sogenannten PEGylierung werden bio- pharmazeutischeWirkstoffe oder Diagnostika mit Polyethylenglycol (PEG) chemisch verbunden (konjugiert). Dabei werden kettenförmige Strukturen an den Wirkstoff oder das Diagnostikum angehängt, die diesen bzw. dieses nahezu vollständig umhüllen und somit zuverlässig gegen den vorzeitigen Abbau durch Antikörper oder körpereigene Enzyme, beispielsweise Proteasen, schützen. Dadurch kommt es zu einer Verlängerung der Halbwertszeit (HWZ) .
  • Plasma-Derivate – Biologische Arzneimittel, die aus menschlichem Vollblut hergestellt werden.
  • Polyethylenglykole – Polyethylenglycol, kurz PEG, ist ein – je nach Kettenlänge – flüssiges oder festes, chemisch inertes, wasserlösliches und nichttoxisches Polymer. Wird zur PEGylierung verwendet.
  • Prophylaxe – Prophylaxe steht für Vorbeugung, z.B. zur Vorbeugung von unerwünschten Blutungsepisoden.
  • Rekombinant – durch rDNA-Technik (Biotechnologie) produziert. Z.B. Faktor VIII- Konzentrate, die durch spezielle Hamsterzellen oder optimalerweise in humanen Zelllinien in einem Nährmedium hergestellt und durch aufwendige Verfahren gereinigt werden.
  • Renale Clearance – Ausscheidung über die Niere.
  • Ribosom – an ihnen werden in der Zelle Proteine hergestellt, und zwar entsprechend der Basensequenz der Desoxyribonukleinsäure DNS – engl. DNA – Desoxyribonucleinacid, welche die Information zur Aminosäure-sequenz der Proteine enthält.
  • RISC – RNA-induced silencing complex; Komplex aus RNA und Proteinen. Die Produktion spezifischer Proteine wird ausgeschaltet (Gen-Knockout) oder verringert (Gen-Knockdown), indem der Komplex die für diese Proteine codierende mRNA abbaut oder ihre Translation zum Protein hemmt.
  • RNA/RNS – Ribonucleinacid/ Ribonukleinsäure – Funktion: Umsetzung von genetischer Information in Proteine.
  • RNAi – die RNA-Interferenz (kurz RNAi oder auch RNA-Silencing) ist ein natürlicher Mechanismus in den Zellen von Lebewesen mit einem Zellkern (Eukaryoten), welcher der zielgerichteten Abschaltung von Genen dient.
  • siRNA – Small interfering RNA, abgekürzt siRNA, (eng. für kleine eingreifende RNA) sind kurze, einzel- oder doppelsträngige Ribonukleinsäure-Moleküle von 20 bis 25 Basenpaaren Länge. Sie codieren keine Proteine, sondern verbinden sich mit komplementären einzelsträngigen Ribonuklein-säure-Molekülen, wodurch sie deren normale Funktion unterbinden.
  • Substitution – Ersatz/Gabe von Faktorkonzentraten.
  • subkutan – unter die Haut (gespritzt).
  • TFPI – Tissue Factor Pathway Inhibitor ist ein einzel-kettiges Polypeptid welches reversibel Faktor Xa hemmen kann. Während Xa gehemmt ist, kann der Xa-TFPI Komplex anschließend auch den FVIIa-Tissuefactor Komplex hemmen.
  • Thrombin – Thrombin (Faktor IIa) ist das wichtigste Enzym der Blutgerinnung und spaltet Fibrinogen zu Fibrin.
  • Viren – Viren sind infektiöse Partikel, die sich außerhalb von Zellen (extrazellulär) durch Übertragung verbreiten, aber als Viren nur innerhalb einer geeigneten Wirtszelle (intrazellulär) vermehren können.
  • von Willebrand Faktor (vWF) – der vWF ist ein Protein, das als Trägerprotein des Blutgerinnungsfaktors VIII eine wichtige Rolle bei der Blutstillung spielt und nach Erik Adolf von Willebrand (1870–1949) einem finnischen Internisten benannt wurde. Der vWF hat eine direkte Wirkung bei der zellulären Blutstillung. 
  • XTEN – ist eine Aminosäure-Sequenz, die vom Körper nur langsam verstoffwechselt werden kann. Durch die Verknüpfung von XTEN z.B. an Gerinnungsfaktoren kann deren Halbwertzeit verlängert werden.