Antikörper – Hemmkörper

Antikörper als Immunantwort

Gerade in Corona Zeiten taucht der Begriff Antikörper immer wieder auf. Denn nach z.B. einer Covid-19-Infektion weist ein Patient in der Regel – als Immunantwort – Antikörper gegen das Corona Virus in seinem Blut auf. (*) Diese Antikörper im Blut gelten als Zeichen einer Immunität auf die jeweilige Infektion. Das Virus ist/war das Antigen, das den Antikörper verursacht hat.

Auch eine Impfung führt – über verschiedene Wege – zu Antikörpern, die eine Infektion verhindern sollen.

Hemmkörper oder auch Inhibitoren genannt

Die größte Komplikation und unerwünschte Nebenwirkung bei der Therapie von Hämophilie A mit (gentechnisch) hergestellten oder auch aus Plasma gewonnenen Faktor-VIII-Präparaten liegt in der Bildung von Hemmkörpern (oder auch Inhibitoren genannt) gegen den eingesetzten Faktor VIII.  Vom körpereigenen Immunsystem gebildete Antikörper gegen den verabreichten Faktor VIII erkennen den Faktor als fremd und neutralisieren ihn. Dies kann dazu führen, dass die Therapie unwirksam wird.

Diese Immunreaktion ist eine ähnliche Antwort wie auf einen Virus. Hier ist/war der eingesetzte Faktor VIII das Antigen, das den Hemmkörper verursacht hat.

Therapeutischer Antikörper zur Behandlung

Sogenannte „monoklonale“ Antikörper spielen in der modernen Medizin eine bedeutende Rolle. Sie finden in den unterschiedlichsten Therapiebereichen Anwendung und stellen eine große Bereicherung in der Therapie von eher unheilbaren Krankheiten dar. Sie spielen nicht zuletzt daher eine so große Rolle, da sie mit hoher Spezifität eine Anzahl von Molekülen binden können und dadurch therapeutisch wirksam werden.

Seit 2019 steht der erste Antikörper Emicizumab auch zur Behandlung der Hämophilie A zur Verfügung.


(*) Eine britische Studie des Londoner Imperial College unter der Leitung von Professor Paul Elliott – Coronavirus antibody prevalence falling in England, REACT study shows – brachte Ende Oktober 2020 einige Verwirrung in die Thematik. Sie zeigte u.a., dass bei einem Viertel der Corona-Infizierten nach einigen Monaten keine Antikörper mehr zu finden sind. Das klingt natürlich auf den ersten Blick Besorgnis erregend. Denn damit würde ja möglicherweise auch die Immunität verloren gehen, von der man eigentlich – nach überstandener Infektion – ausgeht. Tatsächlich wissen wir derzeit definitiv noch nicht, ob man von einer lebenslangen Immunität ausgehen kann. Nicht jede Impfung bringt beispielsweise eine lebenslange Immunität. Bestimmte Impfungen müssen nach Jahren „aufgefrischt“ werden.

Jedoch betonen Experten auch, dass das Niveau an Antikörpern nach einer überstandenen Infektion meistens absinkt. Das Immunsystem verfügt schließlich über ein „Gedächtnis“ – bei Bedarf können dann wieder neue Antikörper gegen einen Erreger produziert werden. So sagte etwa der US-Immunologe Scott Hensley gegenüber der „New York Times“, ein sinkender Antikörperspiegel sei „Zeichen einer normalen, gesunden Immunantwort“. Dies bedeute nicht, dass Menschen keine Antikörper mehr hätten und nicht mehr geschützt seien.

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