Antikörper – Hemmkörper – Monoklonale Antikörper

Antikörper als Immunantwort

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie taucht der Begriff Antikörper immer häufiger auf. Denn nach z.B. einer Covid-19-Infektion bildet ein Patient in der Regel – als Immunantwort – Antikörper gegen das Corona Virus in seinem Blut. Diese Antikörper im Blut gelten als Zeichen einer Immunität auf die jeweilige Infektion. Das Virus ist das Antigen, das den Antikörper verursacht hat.

Auch eine Impfung führt – über verschiedene Wege – zu einer Antikörper-Bildung, die eine Infektion verhindern sollen.

Hemmkörper oder auch Inhibitoren genannt

Die größte Komplikation und unerwünschte Nebenwirkung bei der Therapie von Hämophilie A mit (gentechnisch) hergestellten oder auch aus Plasma gewonnenen Faktor-VIII-Präparaten liegt in der Bildung von Hemmkörpern (oder auch Inhibitoren genannt) gegen das eingesetzte Faktor VIII-Präparat.  Das körpereigene Immunsystem erkennt das Faktorpräparat als körperfremd, entwickelt dagegen Hemmkörper (in diesem Fall sind es auch Antikörper) gegen den verabreichten Faktor VIII, erkennen den Faktor als fremd und neutralisieren dadurch das Medikament. Dies kann dazu führen, dass die Therapie unwirksam wird und kein Blutungsschutz gegeben ist.

Diese Immunreaktion ist eine ähnliche Antwort wie auf einen Virus. Hier ist das gespritzte Faktor VIII-Präparat das Antigen, das den Hemmkörper im Körper ausgelöst hat.

Therapeutischer Antikörper zur Behandlung

Sogenannte „monoklonale“ Antikörper spielen in der modernen Medizin eine bedeutende Rolle. Sie finden in den unterschiedlichsten Therapiebereichen Anwendung und stellen eine große Bereicherung in der Behandlung von eher unheilbaren Krankheiten dar. Sie spielen nicht zuletzt daher eine so große Rolle, da sie mit hoher Spezifität eine Anzahl von Molekülen binden können und dadurch therapeutisch wirksam werden.

Seit 2018 steht der erste (monoklonale) Antikörper Emicizumab auch zur Behandlung der Hämophilie A zur Verfügung.

Roches Kooperation mit Regeneron zu REGN-COV2

Im August 2020 gab das Schweizer Unternehmen Roche eine Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Biotech-Unternehmen Regeneron zur Entwicklung von REGN-COV2 bekannt. Dabei handelt es sich um eine neuartige Antikörper-Kombination, mit der möglicherweise sowohl Menschen mit COVID-19 behandelt, als auch eine Infektion mit SARS-CoV-2 bei Personen, die dem Virus ausgesetzt sind, verhindert werden kann. Im November 2020 erhielt Regeneron für dieses COVID-19-Antikörper Cocktail aus Casirivimab und Imdevimab die Notfallzulassung in den USA . Im Januar 2021 hieß es in den Medien: „Der Bund – also Deutschland – hat 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro eingekauft.“ „Sie wirken wie eine „passive“ Impfung. Die Gabe dieser Antikörper kann Risikopatienten in der Frühphase helfen, dass ein schwerer Verlauft verhindert wird“, wurde Gesundheitsminister Spahn zitiert.

Noch ein weiterer Antikörper (Bamlanivimab)

Das Unternehmen Eli Lilly entwickelt z.B. Bamlanivimab zur Corona Behandlung. Dieser monoklonale Antikörper ist die rekombinante – also gentechnisch hergestellte – Kopie eines Antikörpers, der im Blut eines der ersten COVID-19-Patienten entdeckt wurde. Die Behandlung mit Bamlanivimab soll die Zeit bis zur Entwicklung eigener Antikörper überbrücken. Sowohl die o.a. Antikörperkombination REGN-COV2 als auch Bamlanivimab soll – laut Medienberichten – Donald Trump bei seiner Corona-Infektion erhalten haben.

Autoantikörper

Um die Verwirrung hoffentlich nicht komplett zu machen, sollte trotzdem noch der Begriff „Autoantikörper“ genannt werden. Sie greifen Gewebe im eigenen Körper an, verursachen so genannte „Autoimmunkrankheiten“ und könnten für einige der schlimmsten Covid-19-Verläufe verantwortlich sein. Das führt jedoch weit weg von der Hämophilie; daher hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Für dennoch Interessierte ist der nature Artikel in der deutschen Übersetzung auf „spektrum.de“ empfehlenswert: „Führen Autoimmunerkrankungen zu schweren Covid-19-Fällen?“.

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